
Es ist dieser kurze Moment im Juni, kurz bevor die Sonne über die Dächer der Wiehre klettert, in dem die Welt noch still ist. Ich sitze an meinem Küchentisch, der erste Kaffee dampft und das einzige Geräusch ist das kratzende Geräusch meines Füllhalters auf dem glatten Papier meines A5-Hefts. In diesem Notizbuch mit seinen 251 Seiten habe ich die letzten 18 Monate dokumentiert – jeden Versuch, jede energetische Übung und jeden Moment, in dem ich mich gefragt habe, ob ich eigentlich noch ganz bei Trost bin.
Nach fünfzehn Jahren am Empfang einer Hausarzt-Gemeinschaftspraxis bin ich allergisch gegen leere Versprechen. Wer jahrelang Broschüren über 'Ganzheitliche Heilung' sortiert hat, während im Wartezimmer die Luft vor echter Erschöpfung dick war, der glaubt nicht an den 'Quantensprung in 21 Tagen'. Ich weiß, wie eine GOÄ-Ziffer 1 – die einfache Beratung, auch telefonisch – in der Abrechnung aussieht und was sie im echten Leben wert ist. Als ich 2022 nach meinem eigenen Zusammenbruch anfing, die phoenix999-Serie durchzuarbeiten, war ich skeptisch. Vier Kurse habe ich mittlerweile hinter mir. Und die größte Frage, die in meinem Notizbuch immer wieder auftaucht, ist nicht: 'Funktioniert das?', sondern: 'Muss ich das wirklich mit anderen Leuten zusammen machen?'
Praxis-Alltag vs. Wohnzimmer-Matte: Der Solo-Start
Die ersten drei Kurse der Serie habe ich komplett allein durchgezogen. Jeden Morgen, vor dem Frühstück, in meiner Freiburger Altbauwohnung. Das war für mich wie das Sortieren der Post in der Praxis, bevor die ersten Patienten kommen: eine saubere, disziplinierte Routine. Ich habe gelernt, dass Selbstheilung für mich erst einmal bedeutet, die Tür hinter mir zuzumachen.
In diesen Solo-Phasen gab es keinen sozialen Druck. Niemand hat gesehen, wenn ich bei einer Übung zur Ahnenlinie nur Bahnhof verstanden habe oder wenn eine Session zur Erdverbindung bei mir rein gar nichts ausgelöst hat – außer vielleicht einem eingeschlafenen Fuß. In meinem A5-Heft (das übrigens exakt 148 x 210 mm misst, ich mag es standardisiert) stehen Notizen wie: 'Woche 3, Modul 2 – 45 Minuten investiert, Effekt: Null. Nur Hunger auf Müsli.' Das ist die Freiheit des Einzelkämpfers: Man muss nicht so tun, als wäre man schon erleuchtet.

Wenn das energetische Feld zu laut wird: Die Gruppen-Erfahrung
Beim vierten Kurs wurde es dann anders. Da gab es diese Live-Calls, die im Marketing-Material so angepriesen wurden. 'Gemeinsam in die Heilung gehen', hieß es da. Ich saß also vor meinem Laptop, sah in all diese kleinen Kachel-Gesichter und fühlte mich sofort wie an einem Montagmorgen am Empfang, wenn das Telefon nicht aufhört zu klingeln.
Es gab diesen einen Moment im Mai, ein klarer Morgen, eigentlich perfekt für eine tiefe Session. Im Gruppen-Call wurden wir alle gleichzeitig aufgefordert, unsere 'Energie zu senden'. In diesem Augenblick passierte etwas Merkwürdiges: Ich spürte ein plötzliches Engegefühl in der Brust. Es fühlte sich für mich völlig unnatürlich an. Während die anderen im Chat von 'Lichtduschen' und 'Herzöffnung' schrieben, wollte ich eigentlich nur den Deckel vom Laptop zuklappen. Es war dieser künstliche Harmonie-Zwang, den ich schon aus dem Praxis-Wartezimmer kannte, wenn Patienten versuchten, besonders geduldig zu wirken, während sie innerlich kurz vor dem Platzen waren.
Die Harmonie-Falle und die Schattenarbeit
Hier kommt mein wohl wichtigster Punkt aus 18 Monaten Selbstversuch: Gruppenkurse können bei tiefen Prozessen paradoxerweise blockieren. Warum? Weil wir soziale Wesen sind. Am Empfang habe ich gelernt, dass Menschen fast alles tun, um nicht unangenehm aufzufallen. In einem spirituellen Gruppenformat führt das oft dazu, dass man unbewusst eine Maske aufsetzt. Man will die 'gute Schwingung' der Gruppe nicht stören.
Echte Selbstheilung – und ich bin keine Ärztin, das ist nur meine Beobachtung aus dem A5-Heft – erfordert aber oft, dass man mal so richtig hässlich ist. Dass man wütend ist, dass man Schmerz spürt, der sich nicht in 'Licht und Liebe' auflösen lässt. Wenn ich allein bin, traue ich mich, an diese dunklen Stellen zu gehen. In der Gruppe bleibt man oft an der Oberfläche, weil der soziale Druck zur Harmonie die Konfrontation mit den eigenen Schattenanteilen blockiert. Man 'funktioniert' dann halt spirituell, so wie man im Job funktioniert.
Zahlen, Daten, Fakten aus dem A5-Heft
Damit das hier nicht zu schwammig wird, habe ich meine Aufzeichnungen mal kurz zusammengefasst. Wenn du überlegst, ob du Geld für ein Gruppenformat oder ein reines Selbstlern-Modul ausgeben willst, schau dir meine Parameter an:
- Zeitaufwand: In der Gruppe verlierst du oft 20-30% der Zeit durch organisatorisches Geplänkel ('Hört ihr mich?', 'Kannst du dich stummschalten?').
- Kostenfaktor: Gruppen-Live-Calls treiben den Preis eines Kurses oft massiv in die Höhe. Ich habe für den vierten Kurs fast das Doppelte bezahlt wie für die Solo-Basismodule.
- Lerneffekt: Techniken lernt man in der Gruppe gut, weil man Fragen stellen kann. Die eigentliche Anwendung klickte bei mir aber erst nach etwa drei Monaten konsequenter Solo-Arbeit.
Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass man für den Austausch von Techniken durchaus die Gruppe nutzen kann – ähnlich wie beim Rehabilitationssport nach § 64 SGB IX, wo die Gruppe die Eigenverantwortung stärken soll. Aber die Tiefe? Die findet für mich ohne Zuschauer statt. Wer kritisch vergleichen will, welche Formate überhaupt etwas taugen, sollte sich mal meinen Bericht über Beste Kurse für energetische Selbstheilung: Ein Vergleich für kritische Käufer ansehen. Da habe ich die Preis-Leistungs-Struktur noch genauer zerlegt.

Fazit einer Skeptikerin
Ich bin keine Therapeutin und werde auch keine mehr. Wenn du ernsthafte körperliche oder seelische Beschwerden hast, geh bitte zu deinem Hausarzt oder einem Psychotherapeuten – ich habe zu viele Leute gesehen, die versucht haben, eine echte Depression mit einer 'Energie-Session' wegzulächeln. Das Heilmittelwerbegesetz (HWG) gibt es nicht umsonst; Heilversprechen sind in diesem Bereich schlicht unseriös.
Mein persönliches Fazit nach 18 Monaten: Die Gruppe ist toll für das Gefühl, nicht allein zu sein. Aber wenn es wirklich ans Eingemachte geht, wenn du deine Ahnenlinie sortieren oder dein energetisches Feld wirklich spüren willst, dann ist die Stille deiner eigenen vier Wände oft der bessere Therapeut. Mein A5-Heft ist fast voll, und die ehrlichsten Einträge sind die, die ich nach einer Stunde absoluter Einsamkeit geschrieben habe, während draußen in der Wiehre gerade erst die Müllabfuhr vorbeifuhr. Heilung ist kein Mannschaftssport, auch wenn das Marketing uns das gerne so verkauft.
Was Sie hier lesen, spiegelt meine persönliche Erfahrung wider — keine professionelle Beratung. Informieren Sie sich eigenständig und konsultieren Sie die entsprechenden Fachleute, bevor Sie Änderungen an Ihrer Gesundheit, Ernährung oder Ihren Finanzen vornehmen.