Erstverschlimmerung bei spiritueller Heilung: Hilfe beim Umgang im Kurs

Erstverschlimmerung bei spiritueller Heilung: Hilfe beim Umgang im Kurs

Es ist ein früher Morgen im Spätsommer, kurz vor Sonnenaufgang. Ich stehe barfuß in meiner Küche in der Wiehre, die Kaffeemaschine summt ihr monotones Lied, und unter meinen Füßen spüre ich die unnachgiebige Kälte des Linoleums. In der Theorie, zumindest laut der Hochglanz-Broschüre des Kurses, sollte ich mich jetzt von einem „goldenen Licht“ durchflutet fühlen. Stattdessen fühlt sich mein Körper bleischwer an, schwerer als vor Beginn der energetischen Arbeit, und der erste Schluck Kaffee schmeckt wie Staub auf der Zunge. Ich starre hinaus in den grauen Innenhof und frage mich, ob ich die letzten Monate meiner Zeit und mein mühsam erspartes Geld für ein Luftschloss ausgegeben habe.

Ich habe fünfzehn Jahre am Empfang einer Hausarztpraxis verbracht. Ich kenne die Gesichter von Menschen, denen es schlechter geht, bevor es besser wird. Ich habe Patienten gesehen, die panisch wurden, wenn die Gelenkschmerzen nach der ersten Akupunktur plötzlich aufflammten. Jetzt stehe ich auf der anderen Seite des Tresens. Mein schlichtes A5-Heft – exakt 148 x 210 mm groß, falls es jemand genau wissen will – liegt auf dem Küchentisch. Es ist vollgekritzelt mit Notizen aus 18 Monaten phoenix999-Kursen. Und heute Morgen steht dort nur ein Wort in großen, frustrierten Buchstaben: Warum?

Das Phänomen der Verschlimmerung: Zwischen Praxis-Alltag und Energie-Feld

In der Praxis hatten wir für fast alles einen Code. ICD-10 F32.1 für eine mittelgradige depressive Episode, oder R53 für Unwohlsein und Ermüdung. Wenn Patienten nach einer Behandlung über neue Beschwerden klagten, nannten die Ärzte das oft eine „Reaktion“. Im Bereich der Naturheilkunde und der energetischen Arbeit fällt schnell der Begriff der Erstverschlimmerung. Es klingt fast schon wie eine Entschuldigung für ein mangelhaftes Produkt, oder? „Es tut weh, also funktioniert es.“ Nach 15 Jahren Broschüren-Sortieren bin ich allergisch gegen solche pauschalen Beruhigungspillen.

Während meiner Zeit im zweiten Modul der phoenix999-Serie – das war im letzten Herbst – passierte es das erste Mal so richtig. Der Kurs versprach einen „Quantensprung in der Ahnenlinie“. Was ich bekam, war eine Woche, in der ich mich fühlte, als hätte ich drei Doppelschichten am Empfang hinter mir, inklusive Quartalsabrechnung und einem ausgefallenen Computersystem. Jedes Mal, wenn das Marketing von „Durchbruch“ sprach, antwortete mein Körper mit einer Erschöpfung, die ich so nur aus meinen dunkelsten Burnout-Zeiten kannte.

Nahaufnahme eines handgeschriebenen Notizbuchs mit persönlichen Anmerkungen zur Selbstheilung

Man muss hier sehr sorgfältig unterscheiden. Ich bin keine Ärztin, keine Heilpraktikerin und habe keine medizinische Ausbildung. Ich bin die Frau, die früher die Überweisungen zum Facharzt geschrieben hat. Und genau diesen Instinkt muss man behalten: Wenn etwas weh tut, ist das erst einmal ein Signal. Energetische Kurse ersetzen niemals den Besuch beim Hausarzt oder Therapeuten. Wenn du körperliche Beschwerden hast, geh bitte dorthin und lass es abklären. Punkt. In meinem Fall wusste ich aber, dass organisch alles „o.B.“ war – ohne Befund, wie wir in der Praxis sagten. Es war etwas anderes.

Die Hering’sche Regel und mein A5-Notizbuch

In einer schlaflosen Nacht im November blätterte ich in meinen Notizen und stieß auf die Hering’sche Regel. Das sind vier Prinzipien aus der klassischen Homöopathie, die beschreiben, wie Heilung verlaufen soll: von innen nach außen, von oben nach unten, von den wichtigeren zu den weniger wichtigen Organen und in der umgekehrten chronologischen Reihenfolge des Entstehens.

Ich betrachtete meine Symptome durch diese Brille. Die bleierne Schwere war nichts Neues; es war die Erschöpfung von 2022, die ich damals einfach unter den Teppich – oder besser: unter einen Stapel Rezepte am Empfang – gekehrt hatte. Es fühlte sich an, als würde mein System die alten Akten noch einmal hervorholen, bevor sie endgültig geschreddert werden konnten. In meinem Heft habe ich vermerkt, dass dieser Prozess bei mir etwa drei Wochen dauerte, bis es „klick“ machte. Drei Wochen, in denen ich fast jede Session nach zehn Minuten abgebrochen habe, weil ich einfach nicht mehr hinhören konnte.

Es ist wichtig, ehrlich zu sein: Nicht jede Session in diesen hochpreisigen Kursen ist Gold wert. Ich erinnere mich an eine Einheit zur „energetischen Reinigung“, die sich zog wie Kaugummi. 45 Minuten langatmig erklärtes Licht-Visualisieren, das bei mir absolut gar nichts bewirkt hat – außer einem leicht steifen Nacken. Manchmal ist eine Erstverschlimmerung auch einfach nur Genervtheit über schlechtes Material. Aber wenn die alten Emotionen hochkommen, die man jahrelang weggelächelt hat, dann steckt mehr dahinter.

Der unbequeme Verdacht: Ist es Heilung oder Widerstand?

Hier kommt mein ganz persönlicher Blickwinkel ins Spiel, den ich nach 18 Monaten Selbstversuch entwickelt habe. Das Marketing sagt: „Die Energie arbeitet, das sind Reinigungssymptome.“ Ich sage: Oft ist die Erstverschlimmerung gar kein Zeichen von Heilung im eigentlichen Sinne. Sie ist der unbewusste Widerstand unseres Egos gegen die Veränderung.

Stell dir vor, du hast 15 Jahre lang das Terminbuch einer Praxis nach einem ganz bestimmten System geführt. Plötzlich kommt jemand und sagt, ab morgen wird alles digital und völlig anders gemacht. Dein innerer Empfangschef wird toben. Er wird Gründe finden, warum das neue System nicht funktioniert, er wird Kopfschmerzen vortäuschen und behaupten, dass früher alles besser war.

Blick auf einen schlichten Küchenboden in einer Freiburger Altbauwohnung

In meinen Sessions spürte ich oft eine vertraute Kieferanspannung – genau die gleiche, die ich an stressigen Montagmorgenden hatte, wenn das Wartezimmer überquoll. Das war kein „energetischer Download“, das war mein Ego, das die Zähne zusammenbiss, weil ich im Kurs an Themen rührte, die ich lieber in der untersten Schublade gelassen hätte. Wer sich für einen Kurs entscheidet, sollte sich fragen: Bin ich bereit, die Struktur meines „inneren Empfangs“ wirklich zu ändern, oder will ich nur, dass die Schmerzen weggehen, ohne dass ich etwas umstellen muss? Oft habe ich mich in Vergleichen zwischen phoenix999 und einfacher Meditation gefragt, ob der Widerstand bei den intensiveren Kursen einfach deshalb größer ist, weil sie tiefer graben.

Praktische Hilfe: Wie man die „Dips“ übersteht

Was macht man also, wenn man morgens in der Küche steht und alles hinschmeißen will? Hier sind meine völlig un-esoterischen Tipps aus dem A5-Heft:

Ich habe für die vier Kurse insgesamt einen Betrag im niedrigen vierstelligen Bereich ausgegeben. Das ist viel Geld für eine ehemalige Empfangsdame. Wenn ich eine Session mache, die 50 Euro „wert“ ist, aber ich mich danach fühle, als müsste ich mich drei Tage krankschreiben lassen, dann stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis in diesem Moment nicht. Ein guter Kurs sollte Werkzeuge bieten, um diese Phasen aufzufangen, statt sie nur als „notwendiges Übel“ abzutun.

Broschüren und ein Tablet auf einem Tisch als Symbol für den Vergleich von Medizin und Energiearbeit

Ein Blick in den Innenhof

Es ist jetzt fast ein Jahr her, seit ich diese eine schwere Phase im zweiten Kurs hatte. Inzwischen habe ich alle vier Module durchgearbeitet. Hat es einen „Quantensprung“ gegeben? Nein. Aber mein Umgang mit Belastungen hat sich verändert. Ich erkenne den Widerstand schneller, bevor er sich als körperliches Symptom festsetzt. Wenn ich heute merke, dass mein Kiefer hart wird, weiß ich: Okay, da will das System gerade eine Akte nicht hergeben.

Manchmal hilft es, sich an die 15-Minuten-Morgenroutine zu halten, statt die großen 90-Minuten-Sessions zu erzwingen, wenn man ohnehin schon am Limit ist. Die Erstverschlimmerung ist kein Orden, den man sich anstecken muss, um zu beweisen, wie „tief“ man arbeitet. Sie ist eine Phase der Umstellung, die Geduld erfordert – genau wie ein gebrochener Knochen, der im Gips erst einmal juckt und nervt, bevor er wieder trägt.

Ich schließe mein Notizbuch. Der Kaffee ist mittlerweile kalt, aber draußen wird es hell. Der Blick in den Innenhof ist immer noch derselbe, aber ich fühle mich nicht mehr ganz so schwer. Heilung ist kein linearer Aufstieg, es ist eher wie die Abrechnung am Quartalsende: Erst herrscht Chaos, alle Belege fliegen herum, man flucht über das System – und am Ende, wenn man dranbleibt und nicht den Kopf verliert, stimmt die Bilanz wieder. Aber eben nur, wenn man ehrlich zu sich selbst bleibt und nicht jedem Werbeversprechen blind vertraut.

Wichtig:
Was Sie hier lesen, spiegelt meine persönliche Erfahrung wider — keine professionelle Beratung. Informieren Sie sich eigenständig und konsultieren Sie die entsprechenden Fachleute, bevor Sie Änderungen an Ihrer Gesundheit, Ernährung oder Ihren Finanzen vornehmen.